Resektion: Was der Begriff in Befunden und OP-Berichten beschreibt
Resektion bezeichnet die operative Entfernung von Gewebe. Der Artikel erklärt beschreibend, was Biopsie, Teilresektion und makroskopische Komplettresektion im Befund bedeuten und wie das Resektionsausmaß dokumentiert wird.
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Source/note: Allgemeine Information, angelehnt an Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie sowie Patienteninformationen des Krebsinformationsdienstes. Stand: Juli 2026. Redaktionell erstellt, keine ärztliche Beratung.
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Resektion bezeichnet in der Medizin die operative Entfernung von Gewebe aus dem Körper. In Befunden und OP-Berichten zu Gliomen beschreibt der Begriff, dass während einer Operation Tumorgewebe entnommen oder entfernt wurde. Das Wort stammt vom lateinischen „resecare" – abschneiden – und sagt für sich genommen nichts darüber aus, wie viel Gewebe entfernt wurde. Diese Angabe steckt in den Zusätzen, die im Bericht daneben stehen: Biopsie, Teilresektion, subtotale Resektion oder makroskopische Komplettresektion.
Wer einen OP-Bericht oder einen Arztbrief zum ersten Mal liest, trifft auf eine Reihe solcher Begriffe, die im Klinikalltag sehr präzise gemeint sind, im allgemeinen Sprachgebrauch aber unscharf wirken. Dieser Artikel ordnet die Begriffe rein beschreibend ein. Er trifft keine Aussage darüber, welches Resektionsausmaß in einer bestimmten Situation angestrebt wird oder was ein bestimmter Befund für den weiteren Verlauf bedeutet. Das bespricht das Behandlungsteam individuell. Einen Überblick über den gesamten Ablauf einer Operation bei Gliomen gibt Operation bei Gliomen — ein Überblick über Begriffe und Abläufe.
Warum es überhaupt verschiedene Begriffe gibt
Ein Gliom wächst nicht wie eine abgekapselte Kugel im Gewebe. Gliome gehen von den Stützzellen des Gehirns aus und wachsen typischerweise diffus, also mit unscharfen Übergängen in das umgebende Hirngewebe hinein. Aus diesem Wachstumsmuster ergibt sich, dass sich der Rand eines Glioms operativ nicht so eindeutig bestimmen lässt wie bei einem klar begrenzten Gewebeknoten. Deshalb wird im Bericht sehr genau unterschieden, was während der Operation tatsächlich gesehen und entfernt wurde und was die Bildgebung danach zeigt.
Hinzu kommt ein zweiter Grund: Neben der Entfernung von Gewebe hat eine Operation immer auch die Aufgabe, Material für die feingewebliche und molekulare Untersuchung zu gewinnen. Manchmal ist genau das der ausdrückliche Zweck des Eingriffs. Dann steht im Bericht nicht Resektion, sondern Biopsie. Was mit dem entnommenen Gewebe anschließend geschieht, beschreiben Begriffe im neuropathologischen Befund und die molekulare Untersuchung.
Biopsie: Gewebeentnahme zur Untersuchung
Eine Biopsie bezeichnet die gezielte Entnahme einer kleinen Gewebemenge, um sie im Labor untersuchen zu lassen. Ziel ist nicht die Verkleinerung des Tumors, sondern die Gewinnung von Material für die Neuropathologie. Im Bericht kann das als „stereotaktische Biopsie", „Serienbiopsie" oder „offene Biopsie" auftauchen. Entnommen werden meist mehrere schmale Gewebezylinder aus unterschiedlichen Tiefen entlang eines geplanten Zugangsweges. Den technischen Ablauf beschreibt Stereotaktische Biopsie: Verfahren, Ablauf und was danach mit dem Gewebe geschieht ausführlicher.
Wichtig für das Lesen eines Berichts: Nach einer Biopsie ist der Tumor im Bildbefund unverändert vorhanden. Das ist kein Zeichen dafür, dass etwas nicht gelungen wäre, sondern entspricht dem Zweck des Eingriffs. Ob eine Biopsie oder eine Resektion geplant wird, entscheidet das Ärzteteam gemeinsam mit der betroffenen Person, häufig nach Besprechung im Tumorboard.
Teilresektion und subtotale Resektion
Teilresektion beschreibt, dass ein Teil des Tumorgewebes entfernt wurde und ein Anteil im Gewebe verblieben ist. Im Bericht steht dafür auch „partielle Resektion". Der Begriff „subtotale Resektion" wird verwendet, wenn nach Einschätzung des Operationsteams und nach der Kontrollbildgebung nur noch ein kleiner Anteil verblieben ist. Wo genau die Grenze zwischen partiell und subtotal gezogen wird, ist nicht einheitlich festgelegt und wird in Kliniken unterschiedlich gehandhabt. In wissenschaftlichen Auswertungen wird das Ausmaß deshalb oft zusätzlich in Prozent des vorher gemessenen Tumorvolumens angegeben.
Der verbliebene Anteil wird im Befund als „Resttumor", „Residuum" oder „Tumorrest" bezeichnet. Alle drei Wörter meinen dasselbe: im Bild oder im OP-Situs sichtbares Gewebe, das dem Tumor zugeordnet wird und nicht entfernt wurde. Ob und in welchem Umfang ein Residuum beschrieben wird, ergibt sich aus der Kontrollbildgebung und aus der Beurteilung durch die Radiologie.
Makroskopische Komplettresektion (GTR)
Makroskopische Komplettresektion bezeichnet, dass am Ende der Operation mit bloßem Auge beziehungsweise unter dem Operationsmikroskop kein Tumorgewebe mehr erkennbar war. Im englischsprachigen Bericht und in vielen deutschen Arztbriefen steht dafür die Abkürzung GTR für „Gross Total Resection". Das Wort „makroskopisch" ist dabei entscheidend: Es bezieht sich ausdrücklich auf das, was sichtbar ist. Da Gliome diffus in das umgebende Gewebe hineinwachsen, ist mit dem Begriff keine Aussage darüber verbunden, dass auf Zellebene kein Tumorgewebe mehr vorhanden wäre.
Gelegentlich taucht auch der Ausdruck „in sano" auf, wörtlich „im Gesunden". Er stammt aus der allgemeinen Chirurgie und beschreibt dort, dass ein Präparat von einem Saum tumorfreien Gewebes umgeben war. Bei diffus wachsenden Hirntumoren wird dieser Begriff nur zurückhaltend oder gar nicht verwendet, weil ein solcher Sicherheitssaum im Gehirn nicht in gleicher Weise gebildet wird. Wenn der Begriff in einem Bericht steht, lohnt sich die Nachfrage, worauf er sich konkret bezieht.
| Begriff im Bericht | Was der Begriff beschreibt |
|---|---|
| Biopsie | Entnahme einer kleinen Gewebemenge zur Untersuchung; keine Verkleinerung des Tumors beabsichtigt |
| Partielle Resektion / Teilresektion | Ein Teil des Tumorgewebes wurde entfernt, ein Anteil ist verblieben |
| Subtotale Resektion (STR) | Bezeichnung für eine Entfernung, bei der nach Einschätzung und Bildgebung nur ein kleiner Anteil verblieben ist |
| Makroskopische Komplettresektion (GTR) | Mit bloßem Auge bzw. unter dem Mikroskop war am Ende der Operation kein Tumorgewebe mehr erkennbar |
| Resektionsausmaß / EOR | Sammelbegriff für die Angabe, wie viel Gewebe entfernt wurde; englisch „extent of resection" |
| Resttumor / Residuum | Im Bild oder im Situs beschriebenes Gewebe, das dem Tumor zugeordnet und nicht entfernt wurde |
| In sano | Aus der allgemeinen Chirurgie stammender Begriff für einen tumorfreien Randsaum; bei Gliomen nur zurückhaltend verwendet |
| Debulking / Verkleinerung | Beschreibt eine Operation, bei der die Gewebemenge verringert wurde |
Wie das Resektionsausmaß dokumentiert wird
Die Angabe im Bericht stützt sich auf zwei Quellen, die getrennt zu lesen sind. Die erste ist die Einschätzung des Operationsteams direkt am Ende des Eingriffs. Sie beruht auf dem, was unter dem Operationsmikroskop sichtbar war, und wird durch technische Verfahren unterstützt, etwa durch Neuronavigation oder durch fluoreszenzgestützte Verfahren. Diese Einschätzung steht im OP-Bericht selbst; wie ein solcher Bericht aufgebaut ist, erklärt Den Operationsbericht verstehen: Aufbau, Begriffe, Ablage.
Die zweite Quelle ist die Bildgebung nach der Operation. Üblich ist eine MRT-Untersuchung in einem festgelegten zeitlichen Fenster nach dem Eingriff, häufig innerhalb der ersten Tage. Der Grund für dieses Zeitfenster ist rein technisch: In der Heilungsphase treten am Operationsgebiet Veränderungen auf, die sich im MRT ähnlich darstellen können wie Tumorgewebe. Eine frühe Aufnahme erleichtert die Unterscheidung. Welche Aufnahmen dabei angefertigt werden, beschreibt der Beitrag zu den MRT-Sequenzen; wie Kontrastmittel dabei eingesetzt wird, erklärt der Beitrag zum Kontrastmittel.
Im radiologischen Befund stehen dann Formulierungen wie „kein Nachweis kontrastmittelaufnehmenden Gewebes im Resektionsgebiet" oder „residuelles kontrastmittelaufnehmendes Gewebe am dorsalen Resektionsrand". Solche Sätze beschreiben eine Beobachtung im Bild. Für den weiteren Verlauf werden sie später mit den Folgeaufnahmen verglichen; wie diese Verlaufsbeurteilung abläuft, beschreibt MRT-Verlaufskontrollen — wie sie ablaufen. Warum sich Veränderungen im Bild nicht immer eindeutig zuordnen lassen, ordnet der Beitrag zur Pseudoprogression begrifflich ein.
Begriffe, die häufig verwechselt werden
- Resektion und Operation sind nicht dasselbe: Resektion beschreibt die Gewebeentfernung, Operation den gesamten Eingriff einschließlich Zugang und Verschluss.
- Resektionsausmaß und Tumorart sind unabhängig voneinander: Die feingewebliche und molekulare Einordnung erfolgt im Labor und steht im neuropathologischen Befund, nicht im OP-Bericht.
- Makroskopisch komplett bedeutet sichtbar komplett, nicht zellulär komplett.
- „Resektionshöhle" oder „Resektionskavität" bezeichnet den nach der Gewebeentfernung entstandenen Hohlraum, der im MRT über lange Zeit sichtbar bleibt.
- „Zugang" beschreibt den Weg zum Tumor, etwa frontal oder temporal, und nicht das Ausmaß der Entfernung – dazu mehr in Kraniotomie: Was der Begriff bedeutet und wie er im OP-Bericht verwendet wird.
Fragen, die man dem Behandlungsteam stellen kann
- Welcher Begriff für das Resektionsausmaß steht in meinem Bericht und worauf bezieht er sich?
- Stützt sich die Angabe auf die Einschätzung während der Operation, auf die Bildgebung danach oder auf beides?
- Wurde eine Bildgebung nach der Operation gemacht und wie ist sie beschrieben worden?
- Wie wird das Wort „Residuum" in meinem Befund verwendet?
- Welche Unterlagen brauche ich, wenn ich den Befund an einer anderen Stelle vorlegen möchte?
Wer solche Fragen vorbereiten möchte, findet in Fragen sammeln eine Struktur dafür. Berichte und Bilddaten lassen sich über die in Befunde anfordern beschriebenen Wege beschaffen.
Einordnung
Die Begriffe rund um die Resektion sind Beschreibungen eines Eingriffs und einer Bildbeobachtung. Sie sind eine von mehreren Informationen, die in die weitere Planung eingehen – neben dem neuropathologischen Befund, den molekularen Markern, der Lage des Tumors und der persönlichen Situation. Wie diese Bausteine zusammengeführt werden, bespricht das Behandlungsteam, in vielen Kliniken nach einer gemeinsamen Beratung im Tumorboard. Was die einzelnen Formulierungen im konkreten Fall bedeuten und welche Schritte daraus folgen, klärt das Gespräch mit dem Ärzteteam.
- Was bedeutet GTR im Arztbrief?
- GTR steht für „Gross Total Resection" und bezeichnet eine makroskopische Komplettresektion: Am Ende der Operation war mit bloßem Auge beziehungsweise unter dem Operationsmikroskop kein Tumorgewebe mehr erkennbar. Der Begriff bezieht sich ausdrücklich auf das Sichtbare.
- Ist eine Biopsie eine Resektion?
- Nein. Eine Biopsie bezeichnet die Entnahme einer kleinen Gewebemenge zur Untersuchung im Labor. Eine Verkleinerung des Tumors ist damit nicht beabsichtigt, und der Tumor bleibt in der Bildgebung unverändert sichtbar.
- Was ist ein Residuum?
- Residuum, Resttumor und Tumorrest bezeichnen dasselbe: Gewebe, das dem Tumor zugeordnet wird und nach der Operation im Bild oder im Operationsgebiet beschrieben ist. Ob und wie ein Residuum beschrieben wird, ergibt sich aus der Kontrollbildgebung.
- Warum wird die MRT nach der Operation so früh gemacht?
- Der Grund ist technischer Natur: In der Heilungsphase entstehen am Operationsgebiet Veränderungen, die sich im MRT ähnlich darstellen können wie Tumorgewebe. Eine Aufnahme in einem frühen, festgelegten Zeitfenster erleichtert die Unterscheidung. Das genaue Fenster legt die Klinik fest.
- Steht im OP-Bericht auch, um welche Tumorart es sich handelt?
- In der Regel nicht abschließend. Der OP-Bericht beschreibt den Eingriff. Die feingewebliche und molekulare Einordnung erfolgt anschließend im Labor und steht im neuropathologischen Befund, der einige Tage bis Wochen später vorliegt.
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