Befunde11 min

Immunhistochemie (IHC): was das Verfahren im Labor macht

Die Immunhistochemie ist ein Färbeverfahren, das bestimmte Eiweiße in einem Gewebeschnitt mit Hilfe von Antikörpern sichtbar macht. Dieser Artikel erklärt allgemein, wie das Verfahren abläuft, wie Ergebnisse im Befund formuliert werden und warum die Beurteilung ausschließlich fachlich erfolgt.

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Allgemeine Information zur Orientierung — keine medizinische Beratung, Diagnose oder Bewertung des Einzelfalls. Bitte alles mit deinem behandelnden Ärzteteam besprechen.

Source/note: Allgemeine Information, angelehnt an die WHO-Klassifikation der ZNS-Tumoren (CNS5, 2021) und Patienteninformationen medizinischer Fachgesellschaften. Stand: Juli 2026. Redaktionell erstellt, keine ärztliche Beratung.

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Immunhistochemie, kurz IHC, ist ein Färbeverfahren an Gewebeschnitten. Es nutzt Antikörper, die sich gezielt an ein bestimmtes Eiweiß binden, und macht diese Bindung über eine Farbreaktion unter dem Mikroskop sichtbar.

Dieser Artikel beschreibt das Verfahren und die im Befund üblichen Formulierungen. Er erklärt nicht, was ein einzelnes Färbeergebnis in deinem Fall bedeutet — diese Einordnung nimmt ausschließlich dein Ärzteteam vor. Der Zusammenhang mit den übrigen Befundteilen steht in Den Pathologiebefund verstehen; eine Einführung zum Thema gibt Immunhistochemie — Grundlagen.

Was das Verfahren macht

Zellen bestehen zu einem großen Teil aus Eiweißen. Manche davon kommen nur in bestimmten Zelltypen vor, andere nur in bestimmten Zuständen einer Zelle. Antikörper sind Eiweiße des Immunsystems, die sich sehr genau an eine passende Zielstruktur binden. Diese Eigenschaft nutzt die Immunhistochemie im Labor.

Auf einen hauchdünnen Gewebeschnitt wird ein Antikörper aufgebracht, der zu dem gesuchten Eiweiß passt. Findet er sein Ziel, bleibt er dort haften. Anschließend wird diese Bindung über ein Nachweissystem in eine sichtbare Farbe übersetzt — häufig ein Braunton für das Zielsignal, dazu eine Gegenfärbung, die die übrigen Zellstrukturen in einem anderen Farbton darstellt. Unter dem Mikroskop wird so sichtbar, in welchen Zellen und in welchem Teil der Zelle das gesuchte Eiweiß nachweisbar war.

Der Ablauf im Labor, vereinfacht

  • Das in Paraffin eingebettete Gewebe wird in sehr dünne Schnitte geschnitten und auf Objektträger aufgezogen.
  • Das Paraffin wird entfernt und das Gewebe vorbehandelt, damit die Zielstrukturen für den Antikörper zugänglich werden.
  • Der Antikörper wird aufgetragen und erhält Zeit, sich zu binden.
  • Ungebundene Reste werden abgewaschen; ein Nachweissystem erzeugt die Farbreaktion.
  • Eine Gegenfärbung stellt die übrigen Zellbestandteile dar, damit die Struktur beurteilbar bleibt.
  • Mitgeführte Kontrollen zeigen, ob die Färbung technisch funktioniert hat.
  • Fachleute beurteilen den Schnitt unter dem Mikroskop und formulieren das Ergebnis für den Befund.

Die mitgeführten Kontrollen sind ein wichtiger Teil der Qualitätssicherung. Sie zeigen, ob das Verfahren im konkreten Durchlauf so funktioniert hat wie erwartet. Ohne diese Kontrollen ließe sich nicht sagen, ob eine fehlende Färbung am Gewebe oder an der Technik liegt.

Wie Ergebnisse im Befund formuliert werden

FormulierungWas sie beschreibt
positiv / immunreaktivIn den betrachteten Zellen war eine Färbung für das gesuchte Eiweiß nachweisbar.
negativ / nicht immunreaktivIn den betrachteten Zellen war keine Färbung für das gesuchte Eiweiß nachweisbar.
Expression erhaltenDas Eiweiß war dort nachweisbar, wo es untersucht wurde.
ExpressionsverlustDas Eiweiß war in den Tumorzellen nicht nachweisbar, während mitgefärbte andere Zellen ein Signal zeigten.
fokal / herdförmigDie Färbung war nur in einzelnen Bereichen des Schnitts vorhanden.
diffusDie Färbung war über weite Bereiche des Schnitts verteilt.
ProzentangabeDer Anteil der Zellkerne, die eine Färbung zeigten, zum Beispiel bei Ki-67/MIB-1.
nukleär / zytoplasmatisch / membranösIn welchem Teil der Zelle das Signal lag: Zellkern, Zellinneres oder Zellmembran.
Übliche Formulierungen und was sie beschreiben

Zu den in neuropathologischen Befunden häufig genannten Färbungen gehören unter anderem Ki-67/MIB-1, ATRX, p53 sowie Antikörper, die eine bestimmte Mutation direkt erkennen — etwa im Zusammenhang mit IDH. Was diese Marker jeweils bezeichnen, steht in den verlinkten Artikeln und im Säulenartikel Molekulare Marker verstehen.

Was das Verfahren leisten kann und was nicht

Die Immunhistochemie ist vergleichsweise schnell, an vorhandenem Gewebe durchführbar und erlaubt die Beurteilung im räumlichen Zusammenhang: Man sieht, welche Zellen an welcher Stelle des Schnitts ein Signal zeigen. Das ist ein Vorteil gegenüber Verfahren, die Gewebe für die Untersuchung zerkleinern.

Grenzen gibt es ebenfalls. Eine Färbung zeigt ein Eiweiß, nicht die zugrunde liegende Veränderung im Erbgut. Ergebnisse hängen von der Vorbehandlung des Gewebes, vom verwendeten Antikörper und vom Labor ab; die Beurteilung enthält immer einen Anteil fachlicher Einschätzung. Deshalb werden manche Ergebnisse durch molekulare Verfahren wie NGS oder FISH überprüft. Steht im Befund ein Hinweis auf eine solche Bestätigung, ist das ein üblicher Teil des Vorgehens.

Was das Ärzteteam damit macht

Die Ergebnisse der Immunhistochemie sind ein Baustein unter mehreren. Neuropathologinnen und Neuropathologen lesen sie gemeinsam mit dem mikroskopischen Bild und den molekularen Ergebnissen und führen alles in der integrierten Diagnose zusammen. Das Behandlungsteam bezieht diese wiederum auf die Bildgebung und den Verlauf.

Für dich bedeutet das: Eine einzelne Zeile aus der IHC-Liste sagt für sich genommen nichts, das sich sinnvoll herauslösen ließe. Wenn dich eine Angabe beschäftigt, notiere sie und nimm sie mit ins Gespräch — Anregungen dafür gibt Fragen zum Pathologiebefund.

Warum die Färbung überhaupt funktioniert

Antikörper sind Eiweiße, die das Immunsystem herstellt, um fremde Strukturen zu erkennen. Ihre Besonderheit ist die Passgenauigkeit: Ein Antikörper bindet an eine ganz bestimmte Stelle einer Zielstruktur, ähnlich wie ein Schlüssel in ein Schloss. Für die Labordiagnostik werden Antikörper hergestellt, die gegen genau definierte Eiweiße gerichtet sind.

Damit eine Bindung sichtbar wird, ist ein zweiter Schritt nötig. Meist bindet ein weiterer Antikörper an den ersten und trägt ein Enzym, das aus einer farblosen Substanz einen sichtbaren Farbstoff erzeugt. Diese Verstärkung ist der Grund, warum sich auch geringe Mengen eines Eiweißes darstellen lassen.

Wie viele Färbungen gemacht werden

Wie viele Marker untersucht werden, hängt von der Fragestellung und vom vorhandenen Material ab. Bei neuropathologischen Fragestellungen ist es üblich, mehrere Färbungen nebeneinander anzusetzen und gemeinsam zu betrachten. Manche werden erst nach der ersten Durchsicht nachgefordert, wenn sich daraus eine weitere Frage ergibt.

Jede Färbung verbraucht Material. Deshalb wird die Auswahl bewusst getroffen — besonders bei kleinen Proben aus einer Biopsie, bei denen sorgfältig abgewogen wird, wie das vorhandene Gewebe aufgeteilt wird. Steht im Befund, dass eine Untersuchung wegen der Materialmenge nicht möglich war, beschreibt das genau diese Situation.

Was ist Immunhistochemie?
Ein Färbeverfahren an Gewebeschnitten, bei dem Antikörper ein bestimmtes Eiweiß im Gewebe binden und über eine Farbreaktion unter dem Mikroskop sichtbar machen.
Was bedeutet positiv oder negativ bei einer Färbung?
Positiv bedeutet, dass in den betrachteten Zellen eine Färbung für das gesuchte Eiweiß nachweisbar war; negativ bedeutet, dass keine Färbung nachweisbar war. Beides sind Beobachtungen am untersuchten Material, keine Bewertungen.
Wie lange dauert eine immunhistochemische Färbung?
Die Färbung selbst wird in vielen Laboren innerhalb eines Arbeitstages angesetzt. Hinzu kommen Vorbereitung, Beurteilung, gegebenenfalls Nachfärbungen und die Erstellung des Befunds. Die tatsächlichen Zeiten teilt dir dein Behandlungsteam mit.
Warum wird eine Färbung manchmal molekular überprüft?
Weil eine Färbung ein Eiweiß nachweist, nicht die Veränderung im Erbgut selbst. Molekulare Verfahren untersuchen die DNA direkt. Eine Bestätigung ist deshalb ein üblicher Bestandteil der Diagnostik.
Kann ich die Prozentangabe einer Färbung selbst einordnen?
Nein. Solche Werte hängen von Methode, Labor und ausgewähltem Gewebeareal ab und ergeben nur im Gesamtzusammenhang Sinn. Die Einordnung erfolgt ausschließlich ärztlich.

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