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Neglect — was der Begriff beschreibt

Neglect ist ein Fachwort für Beobachtungen dazu, wie Aufmerksamkeit einer Raum- oder Körperseite zugewandt wird. Dieser Beitrag erklärt, was der Begriff bezeichnet und wie er sich vom Gesichtsfeld unterscheidet — ob und warum etwas bei dir auftritt, ordnet ausschließlich dein Ärzteteam ein.

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Allgemeine Information zur Orientierung — keine medizinische Beratung, Diagnose oder Bewertung des Einzelfalls. Bitte alles mit deinem behandelnden Ärzteteam besprechen.

Source/remarque : Allgemeine Begriffserklärung, angelehnt an neurologische Fachliteratur und Patienteninformationen medizinischer Fachgesellschaften. Stand: Juli 2026. Redaktionell erstellt, keine ärztliche Beratung.

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„Neglect" ist ein neurologischer Fachbegriff für Beobachtungen, die die Zuwendung von Aufmerksamkeit zu einer Raum- oder Körperseite betreffen. Das englische Wort bedeutet wörtlich „Vernachlässigung" und ist hier rein beschreibend gemeint — es benennt eine Untersuchungsbeobachtung, keine Absicht und keine Bewertung. Dieser Beitrag erklärt, was der Begriff beschreibt; ob und warum etwas bei dir auftritt, ordnet ausschließlich dein Ärzteteam ein.

Der Begriff gehört in den Bereich der höheren Hirnleistungen, also zu Aufmerksamkeit und Raumwahrnehmung, und wird deshalb getrennt von Sehen, Kraft und Gefühl geprüft.

Aufmerksamkeit ist nicht Wahrnehmung

Der zentrale Punkt beim Verständnis dieses Begriffs ist die Unterscheidung zweier Dinge, die im Alltag zusammenfallen: Was ein Auge erfassen kann, und wem oder was Aufmerksamkeit zugewandt wird. Das Gesichtsfeld beschreibt Ersteres, Neglect Letzteres.

Deshalb werden beide in der Untersuchung mit unterschiedlichen Aufgaben geprüft und im Befund an verschiedenen Stellen notiert. Die Gesichtsfeldbegriffe erklärt Gesichtsfeld: Hemianopsie und Quadrantenanopsie; verwandte Begriffe aus dem Bereich Aufmerksamkeit und Gedächtnis stehen in Kognition im Befund — Konzentration, Gedächtnis, exekutive Funktionen.

Verwandte Begriffe

BegriffWas er beschreibt
NeglectBeobachtungen zur Zuwendung der Aufmerksamkeit zu einer Raum- oder Körperseite
Visueller NeglectDer Bereich Sehen ist gemeint
Motorischer NeglectDer Einsatz einer Körperseite bei Bewegungen ist gemeint
Personaler NeglectDie eigene Körperseite ist gemeint
Räumlicher NeglectDer umgebende Raum ist gemeint
ExtinktionEine Beobachtung bei gleichzeitiger beidseitiger Reizung im Test
AnosognosieEin eigener Begriff für die Wahrnehmung der eigenen Situation — nicht mit Neglect gleichzusetzen
HalbseitenvernachlässigungDeutsche Entsprechung, die im Befund gleichbedeutend verwendet wird
Begriffe rund um Neglect und die Art von Beobachtung, die sie benennen. Reine Wortbedeutung.

Wie das in der Untersuchung geprüft wird

Für diesen Bereich gibt es einfache, standardisierte Papier- und Beobachtungsaufgaben. Sie werden ergänzend zur übrigen neurologischen Untersuchung eingesetzt, ausführlicher meist im Rahmen einer neuropsychologischen oder ergotherapeutischen Testung.

  • Durchstreichaufgaben: auf einem Blatt verteilte Zeichen sollen markiert werden.
  • Linienhalbierung: die Mitte einer vorgegebenen Linie soll markiert werden.
  • Abzeichnen und freies Zeichnen einer einfachen Vorlage.
  • Vorlesen eines Textes über die volle Blattbreite.
  • Doppelte Simultanstimulation: gleichzeitige Berührung oder Bewegung auf beiden Seiten.
  • Beobachtung im Alltag, etwa bei einer Mahlzeit oder beim Ankleiden.

Diese Aufgaben liefern reproduzierbare Beobachtungen, die sich über die Zeit vergleichen lassen. Was aus einem Ergebnis folgt, ordnet das Behandlungsteam ein. Der allgemeine Untersuchungsablauf steht in Die neurologische Untersuchung — was üblicherweise geprüft wird.

Warum der Begriff im Alltag oft missverstanden wird

„Vernachlässigung" klingt nach Nachlässigkeit oder mangelnder Mühe. In der Fachsprache ist das nicht gemeint: Der Begriff beschreibt ausschließlich das Ergebnis einer Untersuchungsaufgabe. Für Angehörige ist diese Unterscheidung wichtig, weil sich daran Missverständnisse festmachen können — Hinweise zum gemeinsamen Überblick finden sich in Für Angehörige: den Überblick behalten und Wesens- und Verhaltensänderung als Befundbegriff.

Beobachtungen sachlich festhalten

Beobachtungen aus dem Alltag sind für dieses Feld besonders aussagekräftig, weil sie Situationen abbilden, die im Untersuchungszimmer nicht vorkommen. Sachlich notiert heißt: Situation beschreiben, nicht deuten.

  • Zeitpunkt und Dauer.
  • Situation: Mahlzeit, Ankleiden, Lesen, Gehen in belebter Umgebung, Bildschirmarbeit.
  • Was genau auffiel — in eigenen Worten, ohne Fachbegriff.
  • Umstände: Müdigkeit, Ablenkung, Lichtverhältnisse, Belastung davor.
  • Wer es bemerkt hat: eigene Wahrnehmung oder Beobachtung von Angehörigen.

Wie sich solche Notizen strukturieren lassen, beschreibt Beobachtungen für das Arztgespräch festhalten. Was und wann du melden solltest, legt dein Behandlungsteam individuell fest — frage aktiv danach und halte es schriftlich fest.

Warum der Bereich getrennt untersucht wird

Aufmerksamkeit lässt sich nicht mit denselben Mitteln prüfen wie Sehen oder Kraft. Ein Sehtest fragt, was erfasst werden kann; eine Aufmerksamkeitsaufgabe fragt, wie eine Aufgabe über eine Fläche hinweg bearbeitet wird. Deshalb sind die Prüfaufgaben in diesem Bereich meist Papieraufgaben oder Alltagsbeobachtungen und keine Messungen.

Aus demselben Grund liefern Alltagsbeobachtungen hier besonders viel: Eine Papieraufgabe im Untersuchungszimmer bildet eine Situation ab, der Alltag viele. Beobachtungen von Angehörigen sind daher ein ausdrücklich vorgesehener Teil der Dokumentation — dazu auch Wesens- und Verhaltensänderung als Befundbegriff.

Begriffe, die im selben Abschnitt stehen können

  • Aufmerksamkeit und geteilte Aufmerksamkeit als allgemeine Begriffe, siehe Kognition im Befund — Konzentration, Gedächtnis, exekutive Funktionen.
  • Räumliche Orientierung als eigener Prüfbereich.
  • Konstruktive Leistungen, etwa das Abzeichnen einer Vorlage.
  • Lesen über die volle Blattbreite, als Beobachtungsaufgabe.
  • Anosognosie als eigenständiger Begriff zur Wahrnehmung der eigenen Situation.

Diese Begriffe stammen aus unterschiedlichen Aufgaben und werden getrennt notiert. Ihre Zusammenschau ist ärztliche beziehungsweise neuropsychologische Aufgabe.

Wer diesen Bereich untersucht

Innerhalb der neurologischen Untersuchung erfolgt meist nur eine kurze, orientierende Prüfung. Ausführlichere Testungen erfolgen in der Neuropsychologie oder Ergotherapie, häufig im Rahmen einer Rehabilitation — mehr zum Versorgungsbereich in Neurologische Rehabilitation (Neuro-Reha) — ein Überblick. Ob und wann eine solche Untersuchung vorgesehen ist, entscheidet das Behandlungsteam. Der allgemeine Untersuchungsablauf steht in Die neurologische Untersuchung — was üblicherweise geprüft wird.

Ist Neglect dasselbe wie ein eingeschränktes Gesichtsfeld?
Nein. Das Gesichtsfeld beschreibt die Ausdehnung des Wahrgenommenen bei ruhigem Blick, Neglect die Zuwendung der Aufmerksamkeit zu einer Seite. Beides wird mit unterschiedlichen Aufgaben geprüft und getrennt dokumentiert.
Bedeutet der Begriff, dass jemand etwas absichtlich übersieht?
Nein. „Vernachlässigung" ist hier rein beschreibend und benennt das Ergebnis einer standardisierten Untersuchungsaufgabe. Eine Absicht ist damit ausdrücklich nicht gemeint.
Was ist mit „Extinktion" gemeint?
Der Begriff bezeichnet eine Beobachtung bei gleichzeitiger beidseitiger Reizung im Test. Er beschreibt das Ergebnis einer bestimmten Prüfmethode und enthält keine Aussage über Ursache oder Bedeutung.
Wer führt eine ausführlichere Testung durch?
Meist Neuropsychologie oder Ergotherapie im Rahmen einer eigenen Untersuchung. Ob so etwas vorgesehen ist, entscheidet das Behandlungsteam.
Wo finde ich einen Überblick über die übrigen Begriffe?
In Neurologische Begriffe im Befund verstehen steht eine Übersichtstabelle der gängigen neurologischen Befundbegriffe.

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