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Die integrierte Diagnose (WHO CNS5) — was der Begriff bedeutet

Eine integrierte Diagnose ist die zusammenfassende Bezeichnung eines Tumors, in der das Gewebebild und die molekularen Ergebnisse zusammengeführt werden. Der Begriff stammt aus der WHO-Klassifikation der ZNS-Tumoren; dieser Artikel erklärt allgemein, was damit gemeint ist und warum beide Informationsquellen zusammenkommen.

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Allgemeine Information zur Orientierung — keine medizinische Beratung, Diagnose oder Bewertung des Einzelfalls. Bitte alles mit deinem behandelnden Ärzteteam besprechen.

Source/remarque : Allgemeine Information, angelehnt an die WHO-Klassifikation der ZNS-Tumoren (CNS5, 2021) und Patienteninformationen medizinischer Fachgesellschaften. Stand: Juli 2026. Redaktionell erstellt, keine ärztliche Beratung.

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Die integrierte Diagnose ist die abschließende Bezeichnung im Pathologiebefund, in der zwei Informationsquellen zusammengeführt werden: das mikroskopische Bild des Gewebes und die Ergebnisse molekularer Untersuchungen. Der Begriff stammt aus der WHO-Klassifikation der Tumoren des zentralen Nervensystems, deren fünfte Auflage (CNS5) 2021 erschienen ist.

Dieser Artikel erklärt allgemein, was der Begriff bezeichnet und wie eine solche Diagnosezeile aufgebaut ist. Er erklärt nicht, was eine bestimmte Diagnose im Einzelfall bedeutet — das ordnet ausschließlich dein Ärzteteam ein. Der übergeordnete Zusammenhang steht in Den Pathologiebefund verstehen.

Was sich mit CNS5 geändert hat

Über viele Jahrzehnte wurden Tumoren des Nervensystems vor allem danach benannt, wie sie unter dem Mikroskop aussehen — also nach Zellform, Zellanordnung und weiteren sichtbaren Merkmalen. Mit dem Fortschritt der molekularen Verfahren zeigte sich, dass Gewebe mit ähnlichem Aussehen unterschiedliche molekulare Eigenschaften haben kann und umgekehrt.

Die WHO-Klassifikation hat daraus Konsequenzen gezogen: Seit 2016 und verstärkt seit der Ausgabe von 2021 sind molekulare Merkmale fester Bestandteil der Benennung. Eine Diagnose besteht damit nicht mehr aus einer einzigen Beobachtungsebene, sondern aus einer Zusammenführung. Genau dafür steht das Wort integriert.

Wie eine integrierte Diagnose aufgebaut ist

Eine Diagnosezeile enthält typischerweise mehrere Bestandteile, die in einer festgelegten Reihenfolge stehen. Die folgende Tabelle zeigt die Bausteine allgemein.

BausteinWas er benennt
TumorbezeichnungDer Name der Tumorentität nach der WHO-Klassifikation, zum Beispiel Astrozytom oder Oligodendrogliom.
Molekularer ZusatzMolekulare Merkmale, die zur Definition der Entität gehören, etwa eine Angabe zum IDH-Status oder zur 1p/19q-Kodeletion.
Grad-AngabeDie Angabe eines WHO-Grades, meist in arabischen Ziffern geschrieben.
Lokalisation / MaterialBezug zum untersuchten Material und zum Ort der Entnahme.
Ergänzende HinweiseAngaben zu Einschränkungen, ausstehenden Untersuchungen oder zur Referenzbeurteilung.
Bausteine einer integrierten Diagnose

Die molekularen Bestandteile dieser Zeile stammen aus Untersuchungen, die im Befund weiter oben einzeln aufgeführt sind. Was die einzelnen Marker bezeichnen, erklärt der Säulenartikel Molekulare Marker verstehen mit seinen Detailartikeln. Zur Grad-Angabe gibt es WHO-Grade bei Hirntumoren.

Layered report: die Ebenen im Befund

In der Fachliteratur wird der Aufbau eines solchen Befunds als geschichteter Bericht beschrieben. Gemeint ist, dass die Informationen in klar getrennten Ebenen dokumentiert werden: die mikroskopische Beschreibung als eine Ebene, die molekularen Ergebnisse als weitere Ebene, und darüber die zusammenfassende integrierte Diagnose.

Diese Trennung ist bewusst gewählt. Sie macht nachvollziehbar, welche Beobachtung zu welcher Aussage geführt hat, und sie erlaubt es, einzelne Ebenen später zu ergänzen — etwa wenn molekulare Ergebnisse nachgereicht werden. Für Lesende bedeutet das: Die Diagnosezeile ist eine Zusammenfassung, keine eigenständige neue Information.

Warum Gewebe und Molekularbefund zusammenkommen müssen

Beide Informationsquellen beantworten unterschiedliche Fragen. Das Gewebebild beschreibt, wie die Zellen aussehen und wie sie angeordnet sind. Die molekulare Untersuchung beschreibt Eigenschaften des Erbguts, die unter dem Mikroskop nicht sichtbar sind. Erst gemeinsam ergeben sie die Merkmalskombination, die die WHO-Klassifikation für eine Benennung vorsieht.

Dass eine Klassifikation überhaupt so genau festgelegt ist, hat einen praktischen Grund: Sie schafft eine gemeinsame Sprache. Behandlungsteams, Referenzzentren, Register und Studien beziehen sich auf dieselben Definitionen. Die Grundlagen des Fachgebiets erklärt der Artikel Molekularpathologie — Grundlagen.

Wenn keine vollständige integrierte Diagnose möglich ist

Nicht immer lassen sich alle vorgesehenen Untersuchungen durchführen. Manchmal reicht die Materialmenge nicht, manchmal stehen Ergebnisse noch aus, manchmal passen die Befunde nicht eindeutig zu einer definierten Kategorie. In solchen Fällen enthält der Bericht Formulierungen, die diese Einschränkung ausdrücken — etwa Hinweise auf ausstehende Untersuchungen oder auf eine eingeschränkte Beurteilbarkeit des Materials.

Auch die Bezeichnung NOS begegnet in Befunden. Sie steht für not otherwise specified und drückt aus, dass die für eine genauere Einordnung nötigen Informationen nicht vorliegen. Die Bezeichnung NEC steht für not elsewhere classified und wird verwendet, wenn Untersuchungen durchgeführt wurden, das Ergebnis aber keiner definierten Kategorie entspricht. Was daraus im Einzelfall folgt, besprichst du bitte mit deinem Ärzteteam.

Was das Ärzteteam damit macht

Die integrierte Diagnose ist eine der Grundlagen, auf denen das Behandlungsteam das weitere Vorgehen bespricht — oft gemeinsam im Tumorboard. Dabei fließen weitere Informationen ein, die im Pathologiebefund gar nicht stehen: die Bildgebung, der Verlauf, Begleiterkrankungen und deine eigenen Wünsche und Prioritäten.

Für dich als Patientin oder Patient ist die Diagnosezeile vor allem eine Bezugsgröße für Gespräche und Unterlagen. Sie sollte deshalb genau so notiert werden, wie sie im Befund steht — inklusive aller Zusätze. Wie das geht, steht in Den Pathologiebefund ordnen und dabeihaben.

Warum die Reihenfolge der Bestandteile festgelegt ist

Dass eine Diagnosezeile immer ähnlich aufgebaut ist, hat einen praktischen Grund: Sie soll überall gleich gelesen werden können. Ein Bericht aus einer anderen Stadt, ein Eintrag in einem Register und ein Studienprotokoll müssen sich auf dieselbe Bezeichnung stützen können, ohne dass Spielraum für Interpretation entsteht. Deshalb sind Reihenfolge, Schreibweise und die Frage, welche Zusätze genannt werden müssen, in der Klassifikation geregelt.

Für dich bedeutet das vor allem eines: Die Zeile sollte nie sinngemäß wiedergegeben, sondern immer wörtlich übernommen werden. Ein weggelassener Zusatz verändert die Aussage. Wenn du deine Diagnose in eigenen Unterlagen notierst, übernimm sie deshalb im vollständigen Wortlaut aus dem Befund.

Wie die einzelnen Ebenen zusammenkommen

In der Praxis entsteht eine integrierte Diagnose nicht in einem einzigen Arbeitsschritt. Zuerst liegt das mikroskopische Bild vor. Daraus ergibt sich, welche Färbungen und welche molekularen Untersuchungen sinnvoll sind. Deren Ergebnisse können wiederum weitere Untersuchungen nach sich ziehen. Erst wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, wird die zusammenfassende Zeile formuliert.

Das erklärt, warum Befunde manchmal in mehreren Schritten entstehen und warum Zwischeninformationen mit Vorsicht zu behandeln sind. Wie dieser Ablauf zeitlich aussieht, beschreibt Der Weg der Gewebeprobe. Welche Verfahren dabei zum Einsatz kommen, erklären Immunhistochemie und NGS und molekulare Panels.

Was bedeutet integrierte Diagnose?
Es ist die zusammenfassende Tumorbezeichnung im Pathologiebefund, in der das mikroskopische Gewebebild und die molekularen Untersuchungsergebnisse zusammengeführt werden. Der Begriff stammt aus der WHO-Klassifikation der ZNS-Tumoren.
Was ist WHO CNS5?
CNS5 ist die Kurzbezeichnung für die fünfte Auflage der WHO-Klassifikation der Tumoren des zentralen Nervensystems, erschienen 2021. Sie legt fest, nach welchen Merkmalen Tumoren des Nervensystems benannt und eingeordnet werden.
Warum reicht das Mikroskop allein nicht mehr?
Weil Gewebe mit ähnlichem mikroskopischem Bild unterschiedliche molekulare Eigenschaften haben kann. Die WHO-Klassifikation sieht deshalb vor, beide Ebenen gemeinsam zu betrachten, damit die Benennung überall gleich erfolgt.
Was bedeutet NOS in einem Befund?
NOS steht für not otherwise specified. Die Bezeichnung wird verwendet, wenn die für eine genauere Einordnung erforderlichen Untersuchungen nicht vorliegen oder nicht durchführbar waren. Was das konkret bedeutet, ordnet dein Ärzteteam ein.
Kann sich eine integrierte Diagnose später ändern?
Es kommt vor, dass ein Befund nach dem Eintreffen weiterer Ergebnisse oder nach einer Referenzbeurteilung ergänzt oder präzisiert wird. Solche Ergänzungsberichte gehören zum ursprünglichen Befund dazu; die Einordnung erfolgt ärztlich.

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