Hydrocephalus und Shunt: Begriffe rund um das Hirnwasser
Begriffserklärung zu Liquor, Ventrikelsystem und Hydrocephalus sowie zu den Verfahrensbegriffen externe Ventrikeldrainage, ventrikuloperitonealer Shunt, Ventil und endoskopische Ventrikulostomie — und dazu, wie diese Begriffe in Befunden und Berichten vorkommen.
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Source/remarque : Allgemeine Information, angelehnt an Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie sowie Patienteninformationen des Krebsinformationsdienstes. Stand: Juli 2026. Redaktionell erstellt, keine ärztliche Beratung.
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Als Hydrocephalus wird eine Erweiterung der inneren Flüssigkeitsräume des Gehirns bezeichnet, der sogenannten Ventrikel. Als Shunt wird eine chirurgisch angelegte Ableitung bezeichnet, über die Hirnwasser aus diesen Räumen in einen anderen Körperbereich abfließen kann. Beide Begriffe sind Beschreibungen — der erste beschreibt einen Bildbefund und einen Zustand, der zweite ein technisches Verfahren. Dieser Text erklärt sie allgemein und ohne Bezug auf einen konkreten Fall.
Die Begriffe können im Zusammenhang mit Hirntumoren und mit neurochirurgischen Eingriffen auftauchen, etwa in Befundtexten der Bildgebung oder in Operationsberichten. Was sie im Einzelfall bedeuten und was daraus folgt, ordnet ausschließlich das Behandlungsteam ein. Eine Einordnung des gesamten Themenfeldes gibt Operation bei Gliomen — ein Überblick über Begriffe und Abläufe.
Was Liquor ist
Als Liquor cerebrospinalis — kurz Liquor, umgangssprachlich Hirnwasser oder Nervenwasser — wird eine klare Flüssigkeit bezeichnet, die Gehirn und Rückenmark umgibt und durchströmt. Sie erfüllt mehrere Aufgaben: Sie polstert das Gehirn gegen mechanische Einwirkungen ab, trägt zum Stoffaustausch bei und hilft, den Druckverhältnissen im Schädelinneren ein Gleichgewicht zu geben.
Der Aufbau von Gehirn, Rückenmark und ihren Hüllen wird in Gehirn und Nervensystem — eine kurze Orientierung beschrieben. Der Liquor ist Teil dieses Systems und wird kontinuierlich gebildet, bewegt und wieder aufgenommen.
Wie Liquor zirkuliert
Im Inneren des Gehirns liegt ein zusammenhängendes System von Hohlräumen, das als Ventrikelsystem bezeichnet wird. Dazu gehören die beiden Seitenventrikel, der dritte Ventrikel und der vierte Ventrikel. Sie sind durch schmale Verbindungen miteinander verbunden — die Verbindung zwischen drittem und viertem Ventrikel wird als Aquädukt bezeichnet.
Liquor wird überwiegend in Gefäßgeflechten innerhalb der Ventrikel gebildet, die als Plexus choroideus bezeichnet werden. Von dort bewegt er sich durch das Ventrikelsystem, tritt in den Raum zwischen den Hirnhäuten über, der als Subarachnoidalraum bezeichnet wird, und umspült Gehirn und Rückenmark. Die Wiederaufnahme in den Blutkreislauf — fachsprachlich Resorption — geschieht unter anderem über Strukturen an der Hirnoberfläche, die als Arachnoidalzotten bezeichnet werden.
Bildung, Fluss und Resorption stehen üblicherweise in einem Gleichgewicht. Der Begriff Hydrocephalus beschreibt eine Situation, in der die inneren Liquorräume erweitert sind.
Formen des Hydrocephalus als Begriffe
In Befunden werden verschiedene beschreibende Bezeichnungen verwendet. Sie ordnen ein, an welcher Stelle des Systems die Beschreibung ansetzt:
| Begriff | Was er beschreibt |
|---|---|
| Liquor cerebrospinalis | die klare Flüssigkeit, die Gehirn und Rückenmark umgibt und durchströmt |
| Ventrikelsystem | die miteinander verbundenen inneren Hohlräume des Gehirns: Seitenventrikel, dritter und vierter Ventrikel |
| Plexus choroideus | Gefäßgeflechte in den Ventrikeln, in denen Liquor gebildet wird |
| Aquädukt | die schmale Verbindung zwischen drittem und viertem Ventrikel |
| Subarachnoidalraum | der Raum zwischen den Hirnhäuten, in dem Liquor Gehirn und Rückenmark umspült |
| Resorption | die Wiederaufnahme von Liquor in den Blutkreislauf |
| Hydrocephalus | Erweiterung der inneren Liquorräume |
| Hydrocephalus occlusus | Bezeichnung für eine Situation, in der der Fluss innerhalb des Ventrikelsystems an einer Stelle behindert ist; auch Verschlusshydrocephalus genannt |
| Hydrocephalus malresorptivus | Bezeichnung für eine Situation, in der die Wiederaufnahme des Liquors vermindert ist; auch kommunizierender Hydrocephalus genannt |
| Hirndruck / intrakranieller Druck | der Druck im Inneren des Schädels; in Berichten meist mit ICP abgekürzt |
Diese Bezeichnungen sind beschreibend. Sie sagen für sich genommen nichts darüber aus, was in einem konkreten Fall geplant wird.
Warum das Thema bei Hirntumoren vorkommen kann
Das Ventrikelsystem verläuft durch das Innere des Gehirns, und der Weg des Liquors führt an mehreren Stellen durch schmale Passagen. Deshalb kann das Thema Liquorzirkulation grundsätzlich überall dort zur Sprache kommen, wo Strukturen in der Nähe dieser Wege beschrieben werden. Ebenso kann es im Zusammenhang mit neurochirurgischen Eingriffen und mit Veränderungen der Hirnhäute vorkommen.
Das ist eine allgemeine anatomische Erläuterung — keine Aussage darüber, wie häufig das vorkommt, und keine Aussage über einen Einzelfall. Wie eine Behandlungssituation zu verstehen ist, bespricht das Ärzteteam, in vielen Häusern nach Beratung im Tumorboard, das in Was ist ein Tumorboard? beschrieben wird.
Beschwerden, die im Zusammenhang mit Veränderungen des Hirndrucks allgemein beschrieben werden, sind unter anderem Kopfschmerzen, Übelkeit, Sehstörungen, Gangunsicherheit oder Veränderungen der Wachheit. Solche Beschwerden sind unspezifisch und können viele Ursachen haben. Wer sie bei sich beobachtet, kann sie dem Ärzteteam schildern; die Einordnung erfolgt ausschließlich ärztlich.
Verfahrensbegriffe: EVD, Shunt, Ventil und ETV
In Berichten und Gesprächen tauchen mehrere technische Begriffe für Verfahren auf, mit denen der Liquorfluss beeinflusst oder abgeleitet werden kann. Sie werden hier erklärt, ohne Aussage darüber, wann welches Verfahren geplant wird.
- Externe Ventrikeldrainage (EVD): eine vorübergehende Ableitung. Ein dünner Katheter wird in einen Ventrikel eingelegt und nach außen geführt, wo der Liquor in ein geschlossenes Auffangsystem läuft. Die Höhe des Systems kann eingestellt werden. Eine EVD ist auf einen begrenzten Zeitraum ausgelegt und wird im Krankenhaus überwacht.
- Lumbaldrainage: eine Ableitung, die nicht am Kopf, sondern im Bereich der Lendenwirbelsäule angelegt wird.
- Ventrikuloperitonealer Shunt (VP-Shunt): eine dauerhaft angelegte Ableitung. Ein Katheter verbindet einen Ventrikel über einen unter der Haut verlaufenden Schlauch mit der Bauchhöhle, wo der Liquor aufgenommen wird. Varianten mit anderem Ziel werden entsprechend bezeichnet, etwa ventrikuloatrialer Shunt.
- Ventil: das Bauteil eines Shunts, das den Fluss steuert. Es gibt Ventile mit fest eingestelltem und solche mit von außen verstellbarem Öffnungsdruck. Bei verstellbaren Ventilen ist die Einstellung ein Punkt, der bei Untersuchungen mit starken Magnetfeldern — etwa im MRT — vom Team berücksichtigt wird.
- Reservoir: ein Bauteil unter der Haut, über das das Team Liquor entnehmen oder das System prüfen kann.
- Endoskopische Ventrikulostomie des dritten Ventrikels (ETV): ein endoskopisches Verfahren, bei dem im Boden des dritten Ventrikels eine zusätzliche Verbindung geschaffen wird, sodass der Liquor eine schmale Passage umgehen kann. Bei diesem Verfahren wird kein dauerhaftes Fremdmaterial eingebracht.
Ob eines dieser Verfahren infrage kommt und welches, entscheidet das neurochirurgische Team gemeinsam mit den Betroffenen im Aufklärungsgespräch. Mögliche Folgen und Belastungen sind dort ein fester Bestandteil des Gesprächs. Eine Sammlung möglicher Fragen für ein solches Gespräch steht in Fragen, die man dem Behandlungsteam vor einer Operation stellen kann.
Wie diese Begriffe im Befund vorkommen
In radiologischen Befunden werden die Liquorräume regelmäßig beschrieben. Formulierungen können etwa lauten, dass die inneren Liquorräume weit oder eng dargestellt seien, dass eine Erweiterung eines bestimmten Ventrikels beschrieben werde, oder dass ein Katheter in seiner Lage dokumentiert werde. Solche Sätze sind Beschreibungen des Bildes.
In Operationsberichten und Entlassbriefen können Abkürzungen wie EVD, VP-Shunt oder ETV auftauchen, häufig zusammen mit Angaben zum Material, zur Seite und zur Ventileinstellung. Wer einen Shunt trägt, erhält in der Regel einen Implantatpass mit den Angaben zum System; dieses Dokument ist bei späteren Untersuchungen praktisch. Wie sich Berichte lesen lassen, beschreibt Den Operationsbericht verstehen: Aufbau, Begriffe, Ablage; die allgemeine Entstehung von Beschwerden bei Veränderungen im Schädelinneren ist in Wie Beschwerden bei Hirntumoren entstehen können dargestellt.
Wer Formulierungen im eigenen Befund nicht einordnen kann, kann sie im nächsten Gespräch ansprechen. Alles Weitere — was ein Befund im konkreten Fall bedeutet und was geplant ist — bespricht das Behandlungsteam persönlich.
- Was bedeutet Hydrocephalus?
- Der Begriff bezeichnet eine Erweiterung der inneren Flüssigkeitsräume des Gehirns, der Ventrikel. Er ist eine Beschreibung und keine Bewertung. Was er im Einzelfall bedeutet, ordnet ausschließlich das Behandlungsteam ein.
- Was ist der Unterschied zwischen Hydrocephalus occlusus und malresorptivus?
- Die Bezeichnung occlusus, auch Verschlusshydrocephalus, beschreibt eine Situation, in der der Fluss innerhalb des Ventrikelsystems an einer Stelle behindert ist. Malresorptivus, auch kommunizierender Hydrocephalus, beschreibt eine verminderte Wiederaufnahme des Liquors. Beide Begriffe sind rein beschreibend.
- Was ist eine externe Ventrikeldrainage?
- Als externe Ventrikeldrainage, abgekürzt EVD, wird eine vorübergehende Ableitung bezeichnet: Ein dünner Katheter liegt in einem Ventrikel und leitet Liquor in ein geschlossenes Auffangsystem außerhalb des Körpers. Sie ist auf einen begrenzten Zeitraum ausgelegt und wird im Krankenhaus überwacht.
- Was macht das Ventil eines Shunts?
- Das Ventil steuert den Fluss innerhalb des Shuntsystems. Es gibt fest eingestellte und von außen verstellbare Ventile. Bei verstellbaren Ventilen berücksichtigt das Team die Einstellung im Zusammenhang mit Untersuchungen in starken Magnetfeldern, etwa im MRT.
- Was ist eine ETV?
- Die Abkürzung steht für endoskopische Ventrikulostomie des dritten Ventrikels. Dabei wird endoskopisch eine zusätzliche Verbindung im Boden des dritten Ventrikels geschaffen, sodass der Liquor eine schmale Passage umgehen kann. Dauerhaftes Fremdmaterial wird dabei nicht eingebracht.
- Was hat es mit dem Implantatpass auf sich?
- Wer ein Shuntsystem trägt, erhält in der Regel ein Dokument mit den Angaben zum System, etwa Hersteller, Typ und Ventileinstellung. Dieses Dokument ist bei späteren Untersuchungen und Terminen praktisch. Wie damit umzugehen ist, erklärt das Behandlungsteam.
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