Mitosen und Proliferationsindex: Begriffe im Pathologiebefund
Mitose bezeichnet den Vorgang der Zellteilung, Proliferation allgemein die Vermehrung von Zellen. Im Pathologiebefund erscheinen dazu Zählangaben und Prozentwerte wie der Proliferationsindex. Dieser Artikel erklärt allgemein, wie diese Angaben zustande kommen und warum sie nur fachlich lesbar sind.
Quelle/Hinweis: Allgemeine Information, angelehnt an die WHO-Klassifikation der ZNS-Tumoren (CNS5, 2021) und Patienteninformationen medizinischer Fachgesellschaften. Stand: Juli 2026. Redaktionell erstellt, keine ärztliche Beratung.
Wie diese Artikel entstehen
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Mitose ist der Fachbegriff für die Zellteilung, bei der aus einer Zelle zwei Tochterzellen entstehen. Proliferation bezeichnet allgemein die Vermehrung von Zellen. Im Pathologiebefund erscheinen dazu zwei Arten von Angaben: gezählte Zellteilungsfiguren im mikroskopischen Bild und ein Prozentwert aus einer Färbung, der häufig Proliferationsindex genannt wird.
Dieser Artikel erklärt, wie diese Angaben entstehen und was die Begriffe bezeichnen. Er sagt nicht, was ein bestimmter Wert bedeutet — diese Einordnung erfolgt ausschließlich ärztlich, weil sie das Gesamtbild aus allen Befunden voraussetzt. Der übergeordnete Zusammenhang steht in Den Pathologiebefund verstehen.
Mitosen: was gezählt wird
Wenn sich eine Zelle teilt, durchläuft sie mehrere Phasen, in denen das Erbgut verdoppelt und auf zwei neue Zellkerne verteilt wird. In manchen dieser Phasen sieht der Zellkern unter dem Mikroskop charakteristisch anders aus als sonst. Solche Bilder werden als Mitosefiguren bezeichnet.
In der mikroskopischen Beurteilung werden diese Figuren in einem definierten Gewebeausschnitt gezählt. Der Befund gibt das Ergebnis dann als Zahl bezogen auf eine Bezugsfläche an — früher häufig als Anzahl pro einer bestimmten Zahl von Gesichtsfeldern, heute zunehmend bezogen auf eine Fläche in Quadratmillimetern, weil Gesichtsfelder je nach Mikroskop unterschiedlich groß sind.
- Die Zählung erfolgt in dem Bereich des Schnitts, den Fachleute dafür auswählen.
- Die Bezugsgröße wird im Befund üblicherweise mit angegeben.
- Formulierungen wie vereinzelt, gelegentlich oder zahlreich beschreiben das Bild in Worten.
- Die Angabe bezieht sich auf das untersuchte Material, nicht auf den gesamten Befundbereich.
- Unterschiedliche Schnitte desselben Gewebes können unterschiedlich ausfallen.
Proliferationsindex: der Prozentwert aus der Färbung
Neben der direkten Zählung wird die Zellvermehrung über eine immunhistochemische Färbung erfasst. Dabei wird ein Eiweiß sichtbar gemacht, das in Zellen vorkommt, die sich im Zellzyklus befinden — also nicht dauerhaft ruhen. Das bekannteste Beispiel ist Ki-67, nachgewiesen mit dem Antikörper MIB-1.
Ausgewertet wird der Anteil der Zellkerne, die eine Färbung zeigen. Dieser Anteil wird als Prozentwert angegeben und oft als Proliferationsindex, Ki-67-Index oder MIB-1-Index bezeichnet. Die Auswertung kann durch Auszählen oder rechnergestützt erfolgen; beides wird fachlich beurteilt.
| Begriff | Was er bezeichnet |
|---|---|
| Mitose | Der Vorgang der Zellteilung, bei dem aus einer Zelle zwei Tochterzellen entstehen. |
| Mitosefigur | Das charakteristische mikroskopische Bild einer Zelle während der Teilung. |
| Mitoserate / Mitosezahl | Die Anzahl gezählter Mitosefiguren, bezogen auf eine angegebene Fläche oder Zahl von Gesichtsfeldern. |
| Proliferation | Allgemein die Vermehrung von Zellen. |
| Proliferationsindex | Der Anteil gefärbter Zellkerne in einer Färbung wie Ki-67/MIB-1, angegeben in Prozent. |
| Hot spot | Der Bereich eines Schnitts, in dem die Färbung am dichtesten ist und der für die Auswertung ausgewählt werden kann. |
| Zellzyklus | Die Abfolge von Phasen, die eine Zelle bis zur Teilung durchläuft. |
Warum sich solche Angaben nicht selbst einordnen lassen
Beide Angaben sind Messungen an dem Material, das untersucht wurde. Sie hängen davon ab, welcher Gewebebereich vorlag und ausgewählt wurde, wie das Gewebe aufbereitet und gefärbt wurde und mit welcher Methode ausgewertet wurde. Zwischen Laboren können dieselben Gewebe deshalb zu unterschiedlichen Zahlen führen.
Hinzu kommt: Diese Angaben stehen nie für sich. In der integrierten Diagnose werden sie zusammen mit dem übrigen Gewebebild und den molekularen Ergebnissen betrachtet. Eine allgemein gültige Grenze, ab der ein Prozentwert eine bestimmte Aussage hätte, lässt sich nicht angeben. Genau deshalb ist die Einordnung eine ärztliche Aufgabe.
Was das Ärzteteam damit macht
Neuropathologinnen und Neuropathologen nutzen diese Angaben als Teil der Gewebebeschreibung. Das Behandlungsteam liest sie im Zusammenhang mit allen anderen Informationen. Weitere Begriffe, die im selben Abschnitt vorkommen, erklären Nekrose und mikrovaskuläre Proliferation sowie Begriffe im neuropathologischen Befund.
Wenn du eine Zahl aus deinem Befund verstehen möchtest, notiere sie zusammen mit der Bezugsangabe und frage im Gespräch danach. Es ist ausdrücklich vorgesehen, dass solche Fragen gestellt werden.
Warum überhaupt gezählt wird
Die Beschreibung eines Gewebes folgt in der Pathologie festen Merkmalslisten. Zellteilung gehört zu den Merkmalen, die sich vergleichsweise gut objektivieren lassen: Man kann sie zählen, und man kann angeben, worauf sich die Zahl bezieht. Deshalb tauchen solche Angaben in Befunden regelmäßig auf, auch dann, wenn kaum Mitosefiguren gefunden wurden.
Damit Zahlen vergleichbar bleiben, sind die Bezugsgrößen standardisiert worden. Die frühere Angabe pro Gesichtsfeld war davon abhängig, welches Mikroskop verwendet wurde, weil Gesichtsfelder unterschiedlich groß sind. Die Angabe pro Quadratmillimeter umgeht dieses Problem. Steht in einem älteren Befund eine andere Bezugsgröße, ist das der Grund.
Warum die Auswahl des Ausschnitts eine Rolle spielt
Gewebe ist nicht überall gleich. In einem Schnitt können Bereiche mit sehr unterschiedlichem Bild nebeneinanderliegen. Für die Auswertung wird deshalb ein Bereich ausgewählt, und diese Auswahl folgt fachlichen Regeln — beispielsweise die Auswahl des Bereichs mit der dichtesten Färbung, der als hot spot bezeichnet wird.
Das erklärt, warum zwei Auswertungen desselben Gewebes nicht zwingend identische Zahlen ergeben und warum Fachleute solche Angaben nie isoliert lesen. Weitere Begriffe aus demselben Befundabschnitt erklärt Nekrose und mikrovaskuläre Proliferation.
- Was ist ein Proliferationsindex?
- Der Anteil der Zellkerne, die in einer Färbung wie Ki-67/MIB-1 ein Signal zeigen, angegeben in Prozent. Er beschreibt eine Eigenschaft des untersuchten Gewebeausschnitts.
- Was ist der Unterschied zwischen Mitoserate und Proliferationsindex?
- Die Mitoserate entsteht durch das Zählen sichtbarer Zellteilungsfiguren im mikroskopischen Bild. Der Proliferationsindex entsteht aus einer Färbung und gibt den Anteil gefärbter Zellkerne an. Es sind zwei verschiedene Messungen.
- Was bedeutet MIB-1?
- MIB-1 ist die Bezeichnung eines Antikörpers, mit dem das Eiweiß Ki-67 in der Färbung nachgewiesen wird. Deshalb erscheinen die Begriffe Ki-67 und MIB-1 in Befunden oft nebeneinander.
- Warum unterscheiden sich Werte zwischen zwei Befunden?
- Weil Material, ausgewählter Gewebebereich, Aufbereitung, Färbung und Auswertungsmethode Einfluss haben. Solche Unterschiede sind bekannt; ihre Bedeutung ordnet ausschließlich das Ärzteteam ein.
- Gibt es einen Grenzwert, den ich kennen sollte?
- Nein, eine allgemein gültige Grenze lässt sich hier nicht nennen. Die Angaben werden immer im Zusammenhang mit dem gesamten Befund gelesen. Bitte besprich konkrete Werte mit deinem Ärzteteam.
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Teil des Themas
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