Intraoperatives Neuromonitoring (IONM): SEP, MEP, Mapping und Monitoring
Intraoperatives Neuromonitoring bezeichnet fortlaufende Messungen von Nervenbahnen und Muskelantworten während eines Eingriffs. Der Artikel erklärt die Kürzel SEP, MEP, AEP und EMG sowie den Unterschied zwischen Mapping und Monitoring.
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Fonte/nota: Allgemeine Information, angelehnt an Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie sowie Patienteninformationen des Krebsinformationsdienstes. Stand: Juli 2026. Redaktionell erstellt, keine ärztliche Beratung.
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Intraoperatives Neuromonitoring, meist mit IONM abgekürzt, bezeichnet Messungen, die während eines Eingriffs fortlaufend durchgeführt werden, um die Funktion bestimmter Nervenbahnen und Muskeln zu beobachten. Dabei werden elektrische Signale ausgelöst und an anderer Stelle wieder abgeleitet; die Messkurven werden während des gesamten Eingriffs auf einem Bildschirm dargestellt. Der Begriff taucht im Aufklärungsgespräch und später im Operationsbericht auf. Dieser Text erklärt allgemein, was gemessen wird und welche Kürzel dabei vorkommen.
Neuromonitoring ist eines von mehreren Hilfsmitteln, die bei Eingriffen am Gehirn zum Einsatz kommen können — neben der Bildorientierung durch Navigation und, in bestimmten Situationen, der Wach-Phase. Einen Überblick über den gesamten Ablauf gibt Operation bei Gliomen — ein Überblick über Begriffe und Abläufe.
Was beobachtet wird und warum
Bestimmte Funktionen des Körpers werden über Nervenbahnen vermittelt, die durch das Gehirn und das Rückenmark verlaufen. Beim Neuromonitoring wird an einer Stelle ein Reiz gesetzt und an einer anderen Stelle gemessen, ob und wie ein Signal ankommt. Aus der Höhe des Ausschlags und der Zeit bis zum Eintreffen des Signals entsteht eine Messkurve.
Diese Kurven werden während des Eingriffs fortlaufend erfasst und mit den Kurven verglichen, die zu Beginn des Eingriffs aufgezeichnet wurden. Diese ersten Aufzeichnungen werden Ausgangswerte oder Baseline genannt. Verändern sich Kurven im Verlauf, wird das dem Operationsteam unmittelbar mitgeteilt. Was daraus folgt, entscheidet das Team im Operationssaal in der jeweiligen Situation.
Die Messungen beschreiben ausschließlich, welche Signale zu einem bestimmten Zeitpunkt gemessen wurden. Sie sind eine Beobachtung während des Eingriffs und keine Aussage über einen Verlauf. Fragen zur Bedeutung im eigenen Fall gehören ins Gespräch mit dem Behandlungsteam.
Die wichtigsten Kürzel
In Berichten und Gesprächen tauchen mehrere Abkürzungen auf. Sie bezeichnen jeweils, welche Bahn gereizt und wo gemessen wird.
| Kürzel | Ausgeschrieben | Was damit bezeichnet wird |
|---|---|---|
| SEP / SSEP | Somatosensibel evozierte Potenziale | Ein Nerv am Arm oder Bein wird elektrisch gereizt; abgeleitet wird über Elektroden am Kopf. Gemessen wird die Weiterleitung von Empfindungssignalen zum Gehirn. |
| MEP | Motorisch evozierte Potenziale | Über Elektroden am Kopf wird ein Reiz gesetzt; abgeleitet wird an Muskeln von Arm oder Bein. Gemessen wird die Weiterleitung von Bewegungssignalen zur Muskulatur. |
| AEP / BAEP | Akustisch evozierte Potenziale | Über Kopfhörer werden Klickgeräusche abgespielt; abgeleitet wird die Antwort der Hörbahn. |
| EMG | Elektromyografie | Ableitung der elektrischen Aktivität einzelner Muskeln, etwa im Gesicht, über Nadelelektroden. |
| Freilaufendes EMG | Kontinuierliches EMG | Fortlaufende Ableitung ohne gesetzten Reiz; hörbar als akustisches Signal im Saal. |
| DCS | Direkte kortikale Stimulation | Ein Reiz wird mit einer Sonde direkt auf der Hirnoberfläche gesetzt. |
| Subkortikale Stimulation | Stimulation in der Tiefe | Ein Reiz wird im Gewebe unterhalb der Oberfläche gesetzt, um Faserbahnen zu erfassen. |
| Baseline | Ausgangsaufzeichnung | Die Kurven, die zu Beginn des Eingriffs aufgezeichnet und als Vergleichsgrundlage verwendet werden. |
| Phasenumkehr | Phase reversal | Messverfahren mit einer Elektrodenreihe auf der Hirnoberfläche zur Abgrenzung zweier benachbarter Windungen. |
Mapping und Monitoring: zwei verschiedene Aufgaben
Die beiden Begriffe werden im Alltag oft zusammen genannt, bezeichnen aber unterschiedliche Vorgänge. Monitoring meint die fortlaufende Beobachtung: Über den gesamten Eingriff hinweg werden Kurven aufgezeichnet und mit den Ausgangswerten verglichen. Es ist eine Dauerbeobachtung über die Zeit.
Mapping meint dagegen eine punktuelle Zuordnung im Raum: Mit einer Stimulationssonde wird an einer bestimmten Stelle ein Reiz gesetzt, und es wird beobachtet, ob dabei eine Antwort auftritt — etwa eine Muskelantwort im EMG oder, bei wachen Personen, eine Veränderung beim Sprechen oder Bewegen. Auf diese Weise entsteht während des Eingriffs eine Zuordnung von Funktionen zu Orten auf der Hirnoberfläche oder in der Tiefe. Diese Zuordnung ergänzt die Bilddaten der Neuronavigation, die in Neuronavigation: Wie Bilddaten im Operationssaal genutzt werden beschrieben ist, um aktuelle Messungen aus dem Operationssitus.
Zusammenspiel mit der Wach-Operation
Bei einem Eingriff mit Wach-Phase ist die betroffene Person in einem Abschnitt des Eingriffs ansprechbar und bearbeitet Aufgaben — zum Beispiel Bilder benennen, zählen, sprechen oder die Hand bewegen. Der Ablauf ist in Wach-Operation: Wie der Ablauf einer Wachkraniotomie allgemein aussieht beschrieben; eine allgemeine Einführung gibt außerdem Die Wach-Operation am Gehirn — was dahinter steht.
In dieser Phase lassen sich Funktionen erfassen, die sich in Narkose nicht durch Messkurven abbilden lassen, etwa das Sprechen oder das Benennen von Gegenständen. Stimulation und Aufgabenbearbeitung greifen dabei ineinander: Während eine Aufgabe läuft, wird an einer Stelle stimuliert, und es wird beobachtet, ob sich die Bearbeitung dabei verändert. Neuromonitoring in Narkose und Aufgaben in der Wach-Phase ergänzen sich also und erfassen unterschiedliche Dinge.
Wer das Monitoring durchführt
Für das Neuromonitoring ist im Operationsteam eigenes Personal zuständig. Je nach Klinik sind das Ärztinnen und Ärzte der Neurologie oder Neurophysiologie, medizinisch-technische Assistentinnen und Assistenten für Funktionsdiagnostik oder speziell ausgebildete Fachkräfte. Sie bringen vor Beginn des Eingriffs die Elektroden an, zeichnen die Ausgangswerte auf, betreuen die Geräte während des gesamten Eingriffs und geben Rückmeldung an das Operationsteam.
Das Anbringen der Elektroden geschieht in der Regel, nachdem die Narkose eingeleitet wurde. Verwendet werden je nach Ableitung Klebeelektroden oder feine Nadelelektroden. Kleine Einstichstellen oder Rötungen an den Ableitungsstellen können danach für kurze Zeit sichtbar sein; das Team erklärt das im Vorfeld.
Wie es im Bericht auftaucht
Im Operationsbericht steht das Neuromonitoring meist im Abschnitt zum Vorgehen, häufig in knapper Form wie „unter kontinuierlichem IONM (SEP, MEP)" oder mit einem Hinweis auf durchgeführte Stimulationen. Manchmal gibt es einen eigenen Befundtext der Neurophysiologie. Wie ein Operationsbericht insgesamt gegliedert ist, erklärt Den Operationsbericht verstehen: Aufbau, Begriffe, Ablage. Wie man solche Unterlagen anfordert, beschreibt Befunde anfordern — organisatorisch.
Häufige Fragen
- Merke ich vom Neuromonitoring etwas?
- Die Elektroden werden in der Regel nach Einleitung der Narkose angebracht. Bei einem Eingriff mit Wach-Phase wird zusätzlich mit Aufgaben gearbeitet, die vorher geübt und erklärt werden. Wie der Ablauf im Einzelfall geplant ist, bespricht das Behandlungsteam im Aufklärungsgespräch.
- Was ist der Unterschied zwischen Mapping und Monitoring?
- Monitoring bezeichnet die fortlaufende Beobachtung von Messkurven über die Zeit im Vergleich zu den Ausgangswerten. Mapping bezeichnet die punktuelle Zuordnung: An einer bestimmten Stelle wird stimuliert und beobachtet, ob eine Antwort auftritt. Beides kann im selben Eingriff kombiniert werden.
- Wofür stehen SEP und MEP?
- SEP steht für somatosensibel evozierte Potenziale: Ein Nerv am Arm oder Bein wird gereizt, abgeleitet wird am Kopf. MEP steht für motorisch evozierte Potenziale: Der Reiz wird am Kopf gesetzt, abgeleitet wird an Muskeln. Beide beschreiben, welche Signale zu einem Zeitpunkt gemessen wurden.
- Steht das Ergebnis später im Bericht?
- In vielen Kliniken wird im Operationsbericht vermerkt, dass und mit welchen Ableitungen Neuromonitoring durchgeführt wurde; teils gibt es einen eigenen Text der Neurophysiologie. Was dort steht und wie es einzuordnen ist, bespricht man am besten im Gespräch mit dem Ärzteteam.
- Wird Neuromonitoring bei jedem Eingriff eingesetzt?
- Nein. Ob und in welchem Umfang gemessen wird, ist Teil der Planung und hängt von der jeweiligen Situation und der Ausstattung der Klinik ab. Das entscheidet das Ärzteteam gemeinsam mit der betroffenen Person.
Intraoperatives Neuromonitoring beschreibt Messungen während eines Eingriffs. Die Kurven sagen für sich genommen nichts über einen einzelnen Verlauf aus. Welche Ableitungen vorgesehen sind, wie sie ablaufen und was im Bericht dazu vermerkt wird, bespricht das Behandlungsteam.
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